Klimaanlagen in der Industrie: So bleibt Ihre Lagerhalle im Sommer kühl
Lagerhallen gehören mit ihren hohen Decken und großen Toren zu den anspruchsvollsten Räumen, wenn es um Klimatisierung geht, Gleichzeitig steigen die Anforderungen, denn Hitzeperioden im Sommer werden länger, Lagergüter wie Lebensmittel, Arzneimittel, Kosmetik oder Elektronik verlangen nach stabilen Temperaturen, und auch die Mitarbeitenden in Kommissionierung und Versand sollen bei 35 Grad im Freien noch konzentriert arbeiten können. Wir zeigen, worauf es bei Klimaanlagen in der Industrie ankommt und welche Lösungen sich speziell für Hallen und Lagerflächen bewährt haben.
Warum Lagerhallen eine besondere Herausforderung sind
Eine Lagerhalle lässt sich nicht wie ein Büro klimatisieren, in dem ein Wandgerät pro Raum ausreicht. In Hallen kommen mehrere Faktoren zusammen, die die Kühllast deutlich erhöhen:
- Große Raumhöhen: Hallen mit acht, zehn oder mehr Metern Höhe haben ein enormes Luftvolumen. Warme Luft steigt nach oben und bildet unter dem Dach eine Wärmeschicht, während in Bodennähe, wo gearbeitet und gelagert wird, ganz andere Temperaturen herrschen können.
- Wärmeeintrag über das Dach: Großflächige Flach- oder Blechdächer heizen sich im Sommer stark auf und geben die Wärme nach innen ab. Wie gut die Gebäudehülle gedämmt ist, entscheidet maßgeblich über die nötige Kühlleistung.
- Offene Tore und Laderampen: Bei jeder Anlieferung strömt warme Außenluft in die Halle. Je häufiger Tore geöffnet werden, desto größer ist der Wärmeeintrag.
- Interne Wärmequellen: Ladestationen für Stapler, Förderanlagen, Beleuchtung, Verpackungsmaschinen und die Mitarbeitenden selbst geben laufend Wärme ab.
- Empfindliche Ware: Viele Güter dürfen bestimmte Temperatur- und Feuchtewerte nicht über- oder unterschreiten. Arzneimittel werden beispielsweise häufig bei 15 bis 25 °C gelagert, aber auch Schokolade, Kosmetik oder Klebstoffe reagieren empfindlich auf Hitze. Schwankende Luftfeuchtigkeit kann zudem Kartonagen aufweichen oder Korrosion an Metallteilen begünstigen.
Wichtig zur Abgrenzung: Muss Ware dauerhaft deutlich unter Raumtemperatur gehalten werden, etwa in Frische- oder Tiefkühllagern, ist Kältetechnik gefragt und nicht die klassische Klimaanlage. Den Unterschied erklären wir im Beitrag: Klimatechnik und Kältetechnik: Was ist der Unterschied?
Welche Klimasysteme eignen sich für Lagerhallen?
Für Hallen gibt es nicht die eine Standardlösung. In der Praxis haben sich vor allem drei Ansätze bewährt, die sich auch miteinander kombinieren lassen.
1. Kanalgeräte mit leistungsstarken Außeneinheiten
Für große Flächen kommen häufig Kanalgeräte zum Einsatz, die die gekühlte Luft über ein Luftverteilsystem in die Halle bringen. Mit gewerblichen Systemen wie Panasonic PACi oder VRF-Anlagen lassen sich hohe Kühlleistungen umsetzen, bei Bedarf auch mit mehreren Geräten nebeneinander. VRF-Systeme haben zusätzlich den Vorteil, dass einzelne Bereiche wie Lager, Kommissionierung und das angeschlossene Büro unabhängig voneinander geregelt werden können.
2. Textile Luftverteilsysteme
Gerade in Hallen haben sich textile Luftverteilsysteme bewährt. Die Luft tritt dabei gleichmäßig über die gesamte Oberfläche eines Gewebeschlauchs unter der Decke aus, und zwar so langsam, dass keine Zugluft entsteht. So verteilt sich die Kühlluft gleichmäßig über lange Regalgassen, statt punktuell aus einzelnen Auslässen zu strömen. Im Artikel zu zugfreien Klimaanlagen im Betrieb zeigen wir, wie wir eine solche Lösung in einer Produktionshalle umgesetzt haben.
3. Zonenkühlung statt Vollklimatisierung
Nicht immer muss die gesamte Halle gekühlt werden. Oft reicht es, gezielt jene Bereiche zu klimatisieren, in denen Menschen arbeiten oder empfindliche Ware lagert, etwa Packplätze, den Versandbereich oder einen abgetrennten Lagerbereich für hitzeempfindliche Produkte. Da nur ein Teil des Luftvolumens konditioniert wird, sinken Investitions- und Betriebskosten spürbar.
Einen Überblick über die Systeme, die wir für gewerbliche Anwendungen einsetzen, finden Sie auf unserer Seite Klimalösungen für Industrie & Gewerbe.
Worauf es bei der Planung ankommt
Ob eine Hallenklimatisierung wirtschaftlich arbeitet, entscheidet sich bereits in der Planung. Diese Punkte sollten Sie dabei im Blick haben:
- Kühllast genau berechnen: Faustregeln pro Quadratmeter greifen bei Hallen zu kurz, weil Raumhöhe, Dachfläche, Torfrequenz und Abwärme stark variieren. Eine falsche Kühllastberechnung kann großer Kostenfaktor werden, denn eine zu klein dimensionierte Anlage schafft die Sommerspitzen nicht, eine zu große läuft im ineffizienten Taktbetrieb.
- Luft dorthin bringen, wo sie gebraucht wird: Entscheidend ist die Temperatur im Arbeits- und Lagerbereich, nicht unter dem Dach. Ausblashöhe und Luftführung sollten daher auf die Regalhöhen und Gassen abgestimmt sein.
- Torbereiche mitdenken: Schnelllauftore, Torabdichtungen an den Rampen oder Luftschleier reduzieren den Wärmeeintrag beim Be- und Entladen und entlasten so die Klimaanlage.
- Luftfeuchtigkeit berücksichtigen: Für viele Lagergüter ist nicht nur die Temperatur, sondern auch die relative Luftfeuchte entscheidend. Moderne Klimasysteme entfeuchten beim Kühlen automatisch mit.
- Heizen im Winter einplanen: Klimaanlagen arbeiten nach dem Wärmepumpenprinzip und können im Winter auch heizen. So deckt ein System das ganze Jahr ab und hält die Halle effizient frostfrei oder temperiert.
- Steuerung und Überwachung: Über eine zentrale Steuerung lassen sich Zeitprogramme hinterlegen, Temperaturen aufzeichnen und Störungen sofort melden. Bei Arzneimitteln oder Lebensmitteln wird eine lückenlose Temperaturdokumentation häufig ohnehin verlangt.
Wartung: Dauerbetrieb braucht Pflege
Klimaanlagen in Lagerhallen laufen im Sommer oft rund um die Uhr, und das in einer Umgebung, in der Staub, Kartonabrieb und Abgase von Fahrzeugen vorkommen können. Verschmutzte Filter und Wärmetauscher senken die Kühlleistung, erhöhen den Stromverbrauch und können im schlimmsten Fall mitten in einer Hitzeperiode zum Ausfall führen. Für die gelagerte Ware kann das schnell teuer werden.
Eine regelmäßige, fachgerechte Wartung sorgt dafür, dass die Anlage zuverlässig und effizient läuft. Bei größeren Anlagen schreibt die F-Gase-Verordnung je nach Art und Menge des Kältemittels außerdem regelmäßige Dichtheitskontrollen vor.
Fazit: Kühle Köpfe und sichere Ware auch im Hochsommer
Raumhöhe, Dachfläche, Tore und Lagergut tragen dazu bei, dass für jede Halle eine individuell passende Klimatisierungslösung gefunden werden muss. Mit einer genauen Kühllastberechnung, der passenden Luftverteilung und einer durchdachten Zonierung lassen sich Ware und Mitarbeitende zuverlässig schützen, ohne dass die Energiekosten aus dem Ruder laufen.
Sie möchten Ihre Lagerhalle oder Produktionsfläche klimatisieren und sind sich nicht sicher, welches System zu Ihren Anforderungen passt? Unser Team von Wiesmayr Klimatechnik berechnet die Kühllast direkt vor Ort und erarbeitet gemeinsam mit Ihnen eine Lösung, die zu Ihrer Halle und Ihrem Lagergut passt.
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